Unternehmer Edition
Juni 2011
Baustein im Liquiditätsmanagement
von Carl-Jan Frhr. von der Goltz
In Restrukturierungssituationen ist schnelles Liquiditätsmanagement gefordert. Da die Banken „auf die Schnelle“ eher nicht agieren und die Kreditlinien in solchen Situationen meistens ausgeschöpft sind, ist der Unternehmer auf alternative Finanzierungsquellen angewiesen. Asset Based Finance (ABF) kann eine Lösung sein. Durch ABF-Lösungen kann sich der Unternehmer nicht nur aus eigener Kraft wieder freischwimmen, sondern den Grundstein für eine grundsätzliche Restrukturierung der Passivseite des Unternehmens legen. Diese moderne Form der Kapitalbeschaffung ist im deutschen Mittelstand bisher kaum bekannt. Übersetzt bedeutet der Begriff „Finanzierung auf Basis von Unternehmensaktiva“. Das frische Geld kommt aus dem Verkauf des Unternehmenseigenen, mobilen Anlagevermögens. Dabei wird das Augenmerk auf die Werthaltigkeit der gebrauchten Maschinen und Produktionsanlagen gelegt und dessen allgemeine Bonität nachrangig betrachtet.
Vorteile des Finanzierungsansatzes
Im ersten Schritt verbessert das Unternehmen seine Liquidität. Der finanzielle Zufluss wird aus dem Verkauf von gebrauchten Objekten des Unternehmenseigenen Anlagevermögens erzielt. Bei einer Sale-and-Lease-Back-Finanzierung können die Maschinen und Anlagen ohne zeitliche Verzögerung weiter genutzt werden. Das Unternehmen zahlt nur das, was der Cashflow zulässt, sprich, die Ausgestaltung des Vertrages richtet sich nach den finanziellen Möglichkeiten. Die Zahlungen der Leasingraten stellen teilweise abzugsfähige Betriebsausgaben dar. Objektbezogene Steuern entfallen, da die Leasinggegenstände immer beim Leasinggeber aktiviert werden. Neben der Liquiditätszufuhr werden bei dem Verkauf der Anlagegüter in der Regel stille Reserven gehoben, was zur Verbesserung der Eigenkapitalquote des Unternehmens führt - und auf der anderen Seite erfolgt durch die Leasingverpflichtungen keine Bilanzverlängerung. Somit können Eigenmittel im Betrieb rentabler eingesetzt werden und der unternehmerische Spielraum bleibt erhalten.
Verschiedene Möglichkeiten
Je nach Situation des Kunden gibt es verschiedene Möglichkeiten: Beim Sale and Lease Back-Ansatz werden gebrauchte Maschinen und Produktionsanlagen verkauft und zur weiteren Nutzung gleichzeitig wieder zurückgeleast. Beim Mietkauf bleibt der Mieter wirtschaftlicher Eigentümer und schreibt die Maschinen weiterhin in seiner Bilanz ab. Das juristische Eigentum geht erst nach Zahlung der letzten Rate an den Käufer über. Eine Restwertgarantie kommt zum Tragen, wenn das mobile Anlagevermögen des Unternehmens bereits an die Bank abgetreten ist und diese sich weigert, eine Sale-and-Lease-Back-Finanzierung zu ermöglichen. In diesem Fall kann zwischen Bank und ABF-Anbieter im Rahmen einer Restwertgarantie ein Andienungsvertrag abgeschlossen werden. Dieser ermöglicht der Bank gegenüber dem ABF-Dienstleister die Anbietung festgelegter Assets zu bestimmten Zeitpunkten und definierten Werten - falls die Notwendigkeit einer Verwertung eintritt. So verlagert die Bank die Bonität vom Krisenunternehmen auf den ABF-Anbieter. Asset Based Finance ist vor allem für das klassisch produzierende Gewerbe interessant, das einen werthaltigen, umfangreichen Maschinenpark besitzt und kommt bereits ab einem Finanzierungsvolumen von 200.000 EUR zum Tragen.
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