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Produktion

November 2011

Frisches Geld durch Maschinenverkauf

von Carl-Jan Freiherr von der Goltz

In Folge der Krisenjahre 2008 und 2009 kämpfen trotz Aufschwung noch viele Firmen mit Ratingproblemen. Schlechte Finanzkennzahlen aus vergangenen Jahresabschlüssen führen dazu, dass Banken die Ratingnoten verschlechtern – auch wenn sich aktuelle Zahlen gut lesen lassen und die Auftragsbücher gut gefüllt sind. Die Folge: Fremdkapital von der Bank wird teurer oder bleibt gleich ganz aus. Beides verschlechtert die Finanzkennzahlen weiter. Schnell entsteht da ein Teufelskreis.  Deswegen sind Unternehmer unbedingt auf alternative Wege der Finanzierung angewiesen.  Bilanz-Experten raten als Erstes dazu, Liquidität im Wege der Innenfinanzierung, also aus dem Unternehmen heraus, zu generieren.

Da kann Assed-Based-Finance (ABF) eine Lösung sein. Denn durch ABF-Lösungen kann sich der Unternehmer nicht nur aus eigener Kraft wieder freischwimmen, sondern den Grundstein für eine grundsätzliche Restrukturierung der Passivseite des Unternehmens legen. Diese alternative Form der Kapitalbeschaffung ist im deutschen Mittelstand bisher vor allem im Hinblick auf Immobilien, aber nicht auf gebrauchte Maschinen & Anlagen, bekannt.

Das frische Geld kommt aus dem Verkauf des unternehmenseigenen, mobilen Anlagevermögens. Dabei wird das Augenmerk auf die Werthaltigkeit der gebrauchten Maschinen & Produktionsanlagen des betroffenen Unternehmens gelegt und dessen allgemeine Bonität nachrangig betrachtet. Dieser Finanzierungsansatz hat viele Vorteile:

Liquidität: Im ersten Schritt verbessert das Unternehmen seine Liquidität. Der finanzielle Zufluss wird aus dem Verkauf von gebrauchten Objekten des unternehmenseigenen Anlagevermögens erzielt. Bei einer Sale & Lease Back-Finanzierung können die Maschinen und Anlagen ohne zeitliche Verzögerung weiter genutzt werden.

Pay as you earn: Das Unternehmen zahlt nur das, was der Cashflow zulässt: Die Ausgestaltung des Vertrages richtet sich nach den finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens. Die Zahlungen der Leasingraten stellen teilweise abzugsfähige Betriebsausgaben dar. Objektbezogene Steuern entfallen, da die Leasinggegenstände immer beim Leasinggeber aktiviert werden.

Positive Bilanz: Neben der Liquiditätszufuhr werden bei dem Verkauf der Anlagegüter in der Regel stille Reserven gehoben, was zur Verbesserung der Eigenkapitalquote des Unternehmens führt - und auf der anderen Seite erfolgt durch die Leasingverpflichtungen keine Bilanzverlängerung. Somit können Eigenmittel  im Betrieb rentabler eingesetzt werden und der unternehmerische Spielraum bleibt erhalten.

All das führt zu guten Noten beim Rating. Und für Musterschüler ist es nicht mehr ganz so schwierig, sich klassisch bonitätsorientierte Finanzierunsgquellen zu erschließen.

Je nach Situation des Kunden gibt es verschiedene Asset Based Finance-Lösungswege:

Beim Sale & Lease Back werden gebrauchte Maschinen und Produktionsanlagen verkauft und zur weiteren Nutzung gleichzeitig wieder zurückgeleast. Beim Mietkauf bleibt der Mieter wirtschaftlicher Eigentümer und schreibt die Maschinen weiterhin in seiner Bilanz ab. Das juristische Eigentum geht erst nach Zahlung der letzten Rate an den Käufer über. Eine Restwertgarantie kommt zum Tragen, wenn das mobile Anlagevermögen des Unternehmens bereits an die Bank abgetreten ist und diese sich weigert, eine Sale & Lease Back-Finanzierung zu ermöglichen. In diesem Fall kann zwischen Bank und ABF-Anbieter im Rahmen einer Restwertgarantie ein Andienungsvertrag abgeschlossen werden. Dieser ermöglicht der Bank gegenüber dem ABF-Anbieter die Anbietung festgelegter Assets zu bestimmten Zeitpunkten und definierten Werten - falls die Notwendigkeit einer Verwertung eintritt. So verlagert die Bank die Bonität vom Unternehmen auf den ABF-Anbieter. Beim Handelsgeschäft kauft der ABF-Anbieter vom Unternehmen nicht mehr benötigtes Betriebsvermögen der (dinglich) gesicherte Forderungen sowie Sicherungsgegenstände. So wird kurzfristig Liquidität generiert.

Damit ist Asset Based Finance vor allem für das klassisch produzierende Gewerbe interessant, das einen werthaltigen, umfangreichen Maschinenpark besitzt. Finanzierungslösungen werden ab einem Volumen von 200.000 bis zu ca. drei Millionen Euro pro Unternehmen begleitet.

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