Markt und Mittelstand
03.03.2011
„Grundsätzlich könnte man sagen, dass mit ABF alles zu Geld wird, was auf der linken Seite der Bilanz steht und verkäuflich ist“, sagt Carl-Jan von der Goltz, Geschäftsführer von Maturus Finance. Doch so einfach ist es nicht. Das zeigt sich am Beispiel von Factoring. Zwar ist der Verkauf von Forderungen ein Tausch von Aktiva gegen Kapital, müsste demnach also auch als ABF durchgehen. „Ein Factoringgeber prüft aber immer die Bonität der Klientel seiner Kunden“, erklärt von der Goltz. Damit hängt die Finanzierung dann doch wieder an einem Rating. Echte ABF-Formen hingegen kommen ohne Bonitätseinstufungen aus. Ausschlaggebend ist hier der ermittelte Wert der Aktiva.
Für ABF kommen allerdings bei weitem nicht alle Assets in Frage. Geeignet sind vor allem materielle Vermögenswerte, für die es einen Markt gibt, sodass sich über ein Gutachten ein aktueller Wiederverkaufswert ermitteln lässt. Spezialmaschinen und Vermögenswerte, die einem schnellen technologischen Wandel unterliegen wie etwa IT, scheiden aus. „In Deutschland wurden ABF-Verträge bislang hauptsächlich für Immobilien und seit geraumer Zeit auch für Maschinenparks und technische Anlagen abgeschlossen“, berichtet von der Goltz. Zuweilen stellen die Anbieter auch für Lagerbestände Kapital zur Verfügung, wobei es sich hier eher um eine Form des Asset Based Lending handelt, da das Umalufvermögen „atmet“ und lediglich zur Sicherheit übereignet und nicht verkauft werden kann. Allerdings muss im Vorfeld einer solchen Finanzierung geprüft werden, ob und auf welchen Waren noch Eigentumsvorbehalte der Lieferanten liegen (die Prüfung von Drittrechten, wie zB Eigentumsvorbehalte, Sicherungsübereignungen, Leasing, Mietkauf etc. muß genauso beim Sale & Lease Back von Maschinen und Anlagen erfolgen). Das erschwert das Gutachten und lässt ABF-Finanzierer oft Abstand nehmen.
„Bei immateriellen Vermögenswerten wie Marken ist die Sache noch schwieriger“, sagt von der Goltz. Das liegt zum einen daran, dass eine adäquate Bewertung dieser Assets aufgrund mangelnder Standards in Deutschland momentan noch sehr kompliziert ist. Zum anderen trennen sich Mittelständler hierzulande auch nur sehr ungern von derart wertvollen Vermögenswerten. „Die wenigen Marken-ABF, die deutsche Unternehmen gewagt haben, sind über Sale-and-lease-back gelaufen“, sagt von der Goltz. Grundsätzlich käme auch ein Sale-and-buy-back – ein Verkauf der Marke mit sofort anschließendem Rückkauf – in Frage. Ebenso ein Asset Based Lending (ABL), bei dem ein Darlehen im Wert der zugrunde liegenden Aktiva bereitgestellt wird. Diese ABF-Formen sind unter bilanziellen Gesichtspunkten aber weniger attraktiv.

