Pressespiegel

Für viele Betriebe der Metallindustrie kommt es im Moment ziemlich dick: Aufträge brechen reihenweise weg. Die Warenlager sind prall gefüllt und müssen wegen des stark gefallenen Stahlpreises abgeschrieben werden. Die Zahlungsmoral der Kunden sinkt, während Lieferanten auf sofortige Bezahlung pochen. "Unsere mittelständischen Unternehmen sind in der Verteidigungsposition", bringt Ulrich Galladé, Präsident des WSM Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung, die Situation in der Branche auf den Punkt.
Auf rund 10 Mrd. Euro schätzt Galladé den kurzfristigen Finanzierungsbedarf seiner Verbandsmitglieder. Über ein Drittel der zumeist mittelständischen Betriebe würden derzeit mit ihren Banken über neue Kredite verhandeln - mit mäßigem Erfolg. Das gestiegene Risikobewusstsein der Banken bekommen auch die Metallunternehmen zu spüren.
Bei vielen Unternehmen haben sich in den vergangenen Monaten die üblichen Kennzahlen für die Bonitätsprüfung verschlechtert - allen voran die Eigenkapitalquote. Damit fällt auch ihr Rating heute deutlich schlechter aus als noch vor einem Jahr, sodass wiederum einige Unternehmen gar kein frisches Geld mehr bekommen, andere höhere Zinsen zahlen müssen, und wieder andere mit schärferen vertraglichen Verpflichtungen arbeiten müssen.
Stille Reserven freisetzen
In ihrer Not lösen viele Unternehmen ihr Liquiditätsproblem kurzfristig und ohne Hilfe der Bank: Sie handeln mit ihren Lieferanten längere Zahlungsziele aus und verkürzen die Zahlungsziele ihrer Kunden. "Das mag im Einzelfall entlastend wirken, kann aber negative Folgen haben, etwa wenn plötzlich ein wichtiger Zulieferer ausfällt, weil ihm die finanziellen Mittel fehlen", warnt Peter Wiegand von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.
Langfristig ist das aber keine Lösung. Dafür ist solche Art Liquiditätsplanung zu unsicher und vor allem zu intransparent. Beliebter sind daher Finanzierungsverfahren, die die Liquidität verbessern. "Mit Sale-and-lease-back-Verfahren können Firmen stille Reserven heben, die etwa im mobilen Anlagevermögen ihres Unternehmens schlummern", sagt Carl von der Goltz, Geschäftsführer des Hamburger Sale-and-lease-back-Anbieters Maturus Finance.
Vorteilhaftes Leasing?
Dieses Finanzierungsverfahren ist eine Sonderform des Leasings, bei der ein Gegenstand oder eine Immobilie an eine Leasinggesellschaft verkauft und zur weiteren Nutzung wieder zurückgeleast wird. "Über den Liquiditätszufluss könnten Unternehmen in der Regel auch ihr Rating verbessern und sich wieder konventionelle Finanzierungsquellen erschließen", sagt von der Goltz.
Der Vorteil beim Leasing: Es gibt keine Bonitätsprüfung des Unternehmens. Als Sicherheit zählt in erster Linie der am Markt erzielbare Wiederverkaufswert des Anlagevermögens. Viele Mittelständler schätzen auch den im Vergleich zur Kreditfinanzierung geringen Verwaltungsaufwand. Der Nachteil beim Leasing: Die Raten sind höher als die Zinsen für einen Kredit. Derzeit liegen sie bei rund zwölf Prozent.
Eine andere Möglichkeit, Liquiditätsengpässe zu überbrücken, ist das Working-Capital-Management. Hier steht das Umlaufvermögen eines Betriebs im Fokus: Wie lässt sich der Einkauf effizienter gestalten? Können Lagerbestände abgebaut werden? Kann die Verwaltung der Forderungen und Verbindlichkeiten verbessert werden?
Michael Schweikl von der Münchner Unternehmensberatung MJSP Consulting Group macht das an einem Beispiel deutlich: "Werden Aufträge schlecht disponiert und abgewickelt, steigen die Bestände und das damit gebundene Kapital", sagt er. Wer also seine Lagerbestand von 10 Mio. Euro auf 7,5 Mio. Euro reduziert, hat 2,5 Mio Euro zur Verfügung, die er anderweitig investieren kann.
Trotz der vielen Finanzierungsmöglichkeiten hilft den Unternehmen in der aktuellen Krise nichts mehr als eine solide Eigenkapitalquote. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young, für die 65 wachstumsstarke, mittelständische Unternehmen befragt wurden, die sich als Finalisten für den Wettbewerb "Entrepreneur des Jahres 2008" qualifiziert hatten. Das Ergebnis: Der Großteil finanziert sich aus dem Cashflow und profitiert zusätzlich von einer gut gepolsterten Eigenkapitaldecke. Diese lag im Schnitt bei 40,6 Prozent.
Wie wichtig die Eigenkapitalquote ist, betont auch Hermann Dittmers, Geschäftsführer der S-Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Freiburg. "Wenn die Märkte enger werden, können unsere Kunden dank der guten Eigenkapitalausstattung ihre Stärken ausspielen und Marktanteile gewinnen."
S-Beteiligung stärkt die Eigenkapitalbasis familiengeführter Betriebe durch typische stille Beteiligungen oder Genussrechte. Allerdings kommt mit der Sparkassentochter nur ins Geschäft, wer ein striktes Kostenmanagement nachweisen kann.
Option Beteiligungskapital
Obwohl das Beteiligungskapital seinen Preis hat, lassen sich derzeit etliche Unternehmen darauf ein. Je nach Bonität fallen bis zu zwölf Prozent Zinsen pro Jahr an. Laut Dittmers werden die Kosten aber durch die langen Laufzeiten von bis zu 15 Jahren und den Verzicht auf die jährliche Tilgung aufgewogen. "Das verschafft den Unternehmen erhebliche Liquiditätsvorteile", sagt Dittmers.
Generell rät er Unternehmen, die Passivseite ihrer Bilanz zu stärken und auf Finanzierungen mit geringem Tilgungsanteil zu setzen. Das schone die dringend benötige Liquidität. Wichtig sei außerdem, die Eigenkapitaldecke mittel- und langfristig zu stärken. "Es sollten deutlich mehr als die lange üblichen 20 Prozent sein", sagt Dittmers. "Das ist die beste Vorsorge für Krisenzeiten."